Donnerstag, 27. März 2008

Operation Impending Doom 2

Also ich bin zurück von meinem Urlaub, der nur als voller Erfolg gewertet werden kann.
Aber davon später, hier erstmal die Auswertung meiner letzten Sitzung mit der Psychotante:
Sie meint ich tue alles, damit ich nicht glücklich werde. Ich beschäftige mich mit Kram, damit ich keinen vernünftigen Tagesablauf habe usw. Ich bin dann drauf gekommen, das mir die Ausdauer für langfristige Aktivitäten fehlt und mir schnell alles langweilig wird. Sie meint das geht nur im Override-Modus zu überwinden. Anstrengung lernen und so. Ich meinte, ich sollte Ordnung und Struktur in mein Leben einbringen und Pläne machen und so. Sie meinte, Zeit genug habe ich ja, wenn ich nicht so viel Unsinn (speziell Internet) treiben würde. Ich denke, das damit Faulheit, Konzentrationsschwäche, Zeitmangel und deprimiertheit endlich mal auf einen nenner gebracht worden sind. (thumbs up!). Ausserdem habe ich eine Phobie. So. Bindungsangst, das ist Angst vor Menschen, die einem nahe stehen eben. Das führt zu einem umgekehrten Prioritätsverhältnis: Man kommt mit Menschen um so besser aus, um so fremder sie einem sind. Am besten komme ich tatsächlich mit Ausländern zurecht. Jippa!
Ja also Pläne und Übersichten sollen gemacht werden aller Entartungen. Wo ist mein Geld, wo ist meine Zeit, wo sind meine Freunde überhaupt hingeraten, was sind meine Ziele, wie will ich die erreichen usw. usf. (usf. ist nicht mehr so gebräuchlich, es heisst: "und so fort", nicht zu verwechseln mit: "und sofort")

Um im Job besser voranzukommen, muss ich einfach schneller und mehr lernen. Anstatt also zu lernen habe ich mich über beschleunigtes Lernen schlau gemacht und da dieses Wissen meiner Meinung nach frei zugänglich gemacht werden sollte und dieser Blog sowieso nicht aus den kleinen Zahlen kommt, werde ich hier nun einen Kurs über Accelerated Learning abhalten und wem das nicht passt, der soll sich bitte sofort an mich wenden. ............... Zu spät.

Dienstag, 11. März 2008

Die Uhrwerkzitrone

"'clockwork orange' war früher mein lieblingsfilm", sagt n.
"weisst du auch, was das bedeutet, uhrwerk orange?" frage ich. wir sitzen in der pizzeria. "was weiss ich, irgend eine slang-sache", meint sie. "kleiner tipp, es heisst 'die uhrwerkorange'." "ja, und, eine orange uhr?" "eine uhr-orange" beharre ich, "pass auf: du nimmst eine orange." "ja?" "und schneidest sie quer durch."
sie guckt mich gross an. "sieht das dann nicht aus wie ein zifferblatt?" meine ich.
"du bist bekloppt, aber schreib das mal irgendwo auf." "dass kann sich doch jeder an drei fingern abzählen. nur mit clockwork grapefruit währe es zu leicht gewesen." "jaja oder uhrwerk zitrone."
"Oder der mondberguhu." Wie bitte?" "Von christian morgenstern, der mondberguhu: er funktioniert wie eine uhr und ist doch nur ein uhu nur." "du bist wirklich bekloppt."

Samstag, 8. März 2008

Bücher usw.

Seit ich in dresden bin bin ich völlig verplant. mein kopf rebootet im 5 sekundentakt. es ist nicht das fernsehen, das ist es überhaupt nicht. ich habe viel zu wenig konzentration selbst fürs fernsehen. versuche ich das, wird daraus ein zapp-marathon. ist es das internet? aber internet hatte ich in freiberg auch schon. freilich habe ich jetzt zuhause inet. ich lese hauptsächlich blogs, nur : bloggen ist ungefährlich, blog lesen schon.
das blogformat ist fastfood für das hirn. die einträge plätschern einfach so in dich rein. wie sie dem autor aus dem gehirn fielen stehen sie im netz. schwupps hast du wieder eine befindlichkeit. und das ist es, fremde probleme befallen einen wie hinterrücks. n. meint, blogger wissen wenig von der realität und schreiben deswegen viel über ihre innenwelt. und fremde innenwelten seien der eigenen viel ähnlicher als fremde realitäten der eigenen realität. fremde realitäten seien interessanter. da kann was dran seien, aber sie steht eben auch auf diesen erlebnisberichte-kram.
dann wären da noch die bücher. in meiner jugend habe ich bücher gesammelt. egal, wie sie aussahen, habe ich sie aus handlungen, antiquariaten gekauft, gefunden, gestohlen, zusammengetragen und meine wände gefüllt. sie haben mir immer etwas ruhe gegeben. jetzt nicht mehr. ich habe erstens so viele davon, das ich mir nicht mehr getraue, neue zu kaufen. zweitens sind die dinger in der mehrzahl schäbigen aussehens. drittens sind sie oft sehr skurrilen inhalts (highlight: "das heilwissen der indianer"). viertens haben sie keinen nutzen. zwei drittel davon habe ich noch nicht mal gelesen und werde das auch nicht tun. wozu karl may und shakespeare? Wozu die Bismarck-biografie, wozu den parzival, die anaeis (nein jetzt nicht die porno-schriftstellerin, sondern das griechische zeugs)? wozu die göttliche komödie und was soll das mit moby dick? wem will ich damit was beweisen und wer wird das je lesen?
deswegen habe ich mit mir einen pakt geschlossen. zuerst wird das zeug zu hause gelesen. vorher gibt es kein neues buch. ist mir eins von meinen büchern zu langweilig zum lesen, fliegt es raus.

aber da ist auch ein haken: ich habe gerade überhaupt keine lust zum lesen. auch nicht zum filmschauen. noch nicht mal zum musikhören. Schluss mit dem Konsum? Boykott? Ist es das, was mein Gehirn will? nach 34 jahren Aufsaugens jetzt alles wieder ausspucken? aber wie soll das gehen, ohne konzentration, in der manie?
manchmal fühle ich mich, als währe die welt ganz dünn, aus papier, und würde gleich einreissen. ich warte auf den riss.
vielleicht fehlt mir auch die natur. in dresden kann ich nicht mehr einfach laufen und stehe im wald. da müsste ich etwas planen, eine wanderung. wie öde ist das denn. nein, ich will aus dem haus fallen und im wald stehen. dafür können mir alle kulturangebote getrost den buckel herunterrutschen.

meine psychotante sagt, alles was ich tue, hat einen sinn und das ich nicht wisse, was ich tun soll hätte den sinn, das ich keine fehler machen will. ich hingegen denke, das ich schleunigst etwas finden sollte, was mich nicht SOFORT langweilt. Vielleicht fordert auch das single dasein seinen tribut und ich werde kauzig. die biologie fordert ihren teil oder sowas. kümmere dich um nachkommenschaft. keiner weiss das.
und jetzt will ich es doch noch tun, ich will den wolf wondratschek zitieren, den mir c. in einer liedversion von sefid sout vorspielte. in ihrer riesigen, weiten wohnung hallte es:

"The ticket that exploded

Die große Nummer ist gelaufen
Du nimmst den letzten Zug
Dreiviertel acht
Nachhause in die Wirklichkeit
Doch da steht wieder dieser sonderbare Typ
Er schaut dich an
Und dir wird plötzlich klar
Die große Nummer war gelogen

Die große Nummer ist gelaufen
Du lehnst erschöpft am Seitenfenster
Dreiviertel acht
Nachhause in die Wirklichkeit
Doch da steht wieder dieser sonderbare Typ
Er schaut dich an
Und dir wird plötzlich klar
Der Bahnhof fliegt
Der Zug steht da
Die Schienen sind verbogen

Die große Nummer ist gelaufen
Er schaut dir zu wie's weitergeht
Dreiviertel acht
Nachhause in die Wirklichkeit
Er schaut dich an
Und dir wird plötzlich klar
Es funktioniert
Bleib hier
Dein Ticket explodiert"

Bleib hier. Diese zwei Worte sind der Schlüsselsatz. Ich muss es irgendwie schaffen, im hier zu bleiben.

Donnerstag, 6. März 2008

Urlaub auf Yucatan, Mexico - 2006 (Mails)

Anfangs: Bin gluecklich angekommen am Strand und hab natuerlich auch schon gebadet. Der Flug war schlimm, die totale Sardinenbuechse. Bin hier gerade im doerflichen Internetcafe. Wetter ist toll. 30 Grad und sehr feucht, zum Glück gibt es Ventilatoren und Eiskrem. Wir waren gestern auch schon in der Stadt Cancun und haben in der Mall eingekauft und auch nen Film gekuckt (World Trade Center ) englisch mit spanischen Untertiteln. dann war ich noch aufm Marktplatz abends wo sehr viele Mexicaner rumsassen und irgendwelchen Trachtentänzern zusahen. Ueberhaupt sitzen die abends immer draussen rum und verkaufen sich gegenseitig Tacos. Soweit so gut. das Haus meiner werten Gastgeber ist aufm Dorf. Lauter kleine bunte Haeuser wo auch die Haehne frueh kraehen, aber die andern Waldvoegel sind noch frueher. Piepen laut. Es wuerde dir hier bestimmt gefallen, alles sehr unkonventionell und viel zum gucken. Palmen und blaues Wasser allenthalben, kleine Kioske („Minisuper") und Shrimprestaurants mit Strandterasse.

Später: Also gestern war ich in Chichen Itza, die Pyramide besuchen. Ist aber nur eine ganz kleine Pyramide, 25 m oder so. Leider konnte man nicht drauf. Dann waren da noch so eine menge alte Steine, die ich alle fotografiert habe (sogar ein Observatorium fuer die Sterne) mit tollen Reliefs drauf. Es gibt auch ein Ballspielfeld da und man weiss noch nicht , wer da nach dem Spiel geopfert wurde, der Sieger oder der Verlierer. Zum Mittagessen gab es einen lustigen Volkstanz mit Flaschen auf dem Kopf. Im Dschungel fand ich es noch besser als am Strand, die Leute sitzen da in ihren Holzhuetten einfach im Wald rum und leben von Souvenirs. Die Maya sind niedliche kleine Leute. Natuerlich eine tolle Pflanzenpracht mit Gummibaeumen und Bromelien und auch irgendwelchen Drogenbaeumen, Bananen usw. Leguane latschen einem staendig ueber den Weg. Heute bin ich wieder am Strand aber es regnet gerade. Morgen soll es dann nach Coba gehen, Dass ist auch so eine Maya Staette mit einer groesseren Pyramide. Ich glaube danach ist mein Kulturbeduerfnis erledigt.

Noch später: Du fragst nach den geopferten Jungfrauen aber bisher haben wir noch keine geopfert, weil die sind so schwer zu finden. Ja so ein Wasserloch ich habe zwei gesehen, eins war trocken, in dem anderen waren Krokodile, die gewartet haben bis die Hunde baden gehen. Uebrigens habe ich auch ein Pferd gesehen, dass kreuz und quer durch die Strassen lief hier im Dorf. Manchmal kleben auch Gottesanbeterinnen am fenster... Ja nun war ich bei allen Pyramiden hier im Ort, auf die in Coba bin ich draufgeklettert und habe auf den Jungel runtergeschaut weil alles flacher Kalkstein und in Tulum war nur eine bescheidene Mayaresidenz am Meer, die ich mir auch vorstellen könnte, so als Wohnsitz. Gestern war Schildkroetenschluepfen hier am Strand in Cancun, was so wie ein Volksfest aufgezogen war, jedes Kind bekommt eine kleine Schildkroete und kann die zum Wasser tragen. habe aber vor Leuten nix gesehen...

Noch viel später: Also vorgestern war ich schnorcheln mit so einem Fischer sind wir rausgefahren, der gab uns Flossen und eine Holzleiter. die Fische waren sehr bunt, vor allem blau, die Korallen eher braun. Manche Fische waren auch gross oder gelb mit Zebrastreifen. Dann ist mir schlecht geworden und mein Gastgeber sagte zum Fischer, „Mit dem können wir keinen Krieg gewinnen.“ ("Con él no podemos ganar una guerra.")

Noch mehr später: Heute war ich in Xcaret, das war so ein Touristenpark mit so allem drin, Wellness, Zoo und Show. Da schwamm ich durch einen unterirdischen Fluss mit Schwimmweste. Es gibt da auch Stellen zum aussteigen und an einer drückte man mir unversehens einen Papagei in die Hand und zwei auf die Schulter und fotografierte mich. Die anderen Mitschwimmer hatten auch so Unterwasserkameras, womit sie ihre bleichen Stelzen unterwasser forografieren konnten. Wieder draussen, konnte man sich in Hängematten einwickeln und Palmen gucken aber ich ging schnurstrax zum Zoo und habe mir die Bienen ohne Stacheln angeschaut. Dann waren da auch Planschbecken mit lauter kleinen Schildkröten drin, die pennten, Flossen auf den Rücken, ratz. Und so waren da noch mehr Tiere, Seekühe, Kram. Dann war da auch noch so ein Begräbnishügel und ich musste feststellen, dass der Herr Frisch (Stiller) alles korrekt beschrieben hat. Später wurde es abends und eine Show mit jeder Menge Rabatz und auch dem Hüftballspiel, Pelote genannt.