Donnerstag, 28. August 2014

Das Ende der Sünde


Es wird hier um die Fehldeutung der Apfelszehne im Alten Testament der Bibel gehen und ich werde mich frei der Symbolik von Carl Jung bedienen und kurz auf die Ähnlichkeit zum Grimmschen Märchen "Das Mädchen ohne Hände" hinweisen. Die Protagonisten sind: Gott, Adam, Eva, die Schlange und ein Apfel.

Gott hatte also das Paradies erschaffen mit Pflanzen, Apfelpflanzen, Tieren, Schlangentieren und Menschentieren. Alle lebten zufrieden und waren unsterblich. Warum aber unsterblich? Weil sie nichts von ihrem Tod wussten, nicht weil sie nicht starben. Jetzt zu den Symbolen. Der Apfel und die Birne symbolisieren geistige und körperliche Fruchtbarkeit. Die Schlange und der Drachen symbolisieren in vielen Kulturen (Australien, Amerika, China) Weisheit oder sogar Gottheiten.

Gott hielt es also irgenwann mal an der Zeit, den Menschen geistige Fruchtbarkeit zu verleihen. Dies kann man als ersten Versuch ansehen, Göttlichkeit und Menschlichkeit zu vereinen. Gott kam entweder in Form einer Schlange oder schickte zumindest die Schlange um der Menschenfrau den Apfel zu geben. Warum? Vielleicht, weil die Frau schon die körperliche Fruchtbarkeit besaß. Mit dem Essen des Apfels erlangte der Mensch geistige Fruchtbarkeit. Zu dieser Fruchtbarkeit gehört das Wissen um Zeit und über sich selbst. Mit dem Wissen um Zeit verliert der Mensch seine Unsterblichkeit, denn er weiss um seinen Tod. Mit dem Wissen über sich selbst verliert der Mensch seine Unschuld, da er für seine Taten verantwortlich wird.

Trotzdem ist der Apfel ein grosses Geschenk von Gott, denn er traut dem Mensch gottgleiche Verantwortung zu. Und er entlässt die Menschen aus dem Paradies des Unwissens. Nicht etwa in die Welt der Schmerzen und Plagen, sondern in ein anderes Paradies. Das Paradies des Wissens.

Die Verdrehung dieser Geschichte ist eine der grössten Dummheiten der christlichen Geschichte und dient bis zum heutigen Tage zur Existenzbegründung der Kirche (nur die Kirche kann dem Mensch helfen, seine Sünden los zu werden etc.) und zur Negativierung der Frauen, also der Hälfte der Menschheit. Eine geduldete Ungeheuerlichkeit.

Also die Botschaft ist: Die biblische Sünde ist nur eine sadistische Erfindung und existiert eigentlich gar nicht. Alle Symbole in der Geschichte sprechen dafür.

Auch die Geschichte "Das Mädchen ohne Hände" spricht dafür, denn hier heisst es:

"Und weil sie den ganzen Tag gegangen war und keinen Bissen genossen hatte, und der Hunger sie quälte, so dachte sie: 'Ach, wäre ich darin, damit ich etwas von den Früchten ässe, sonst muss ich verschmachten.' Da kniete sie nieder, rief Gott den Herrn an und betete. Auf einmal kam ein Engel daher, der machte eine Schleuse in dem Wasser zu, so dass der Graben trocken ward und sie hindurchgehen konnte. Nun ging sie in den Garten, und der Engel ging mit ihr. Sie sah einen Baum mit Obst, das waren schöne Birnen, aber sie waren alle gezählt. Da trat sie hinzu und ass eine mit dem Munde vom Baume ab, ihren Hunger zu stillen, aber nicht mehr."

In dieser Geschichte gibt ein Engel der Frau die Birne nämlich ganz freiwillig und absichtlich. Eine äusserst erhellende Deutung dieser Geschichte ist in "Die Wolfsfrau" von Clarissa Pinkola Estés (eine Jung-Anhängerin) zu finden. Die Birne ist demnach die Frucht der körperlichen Fruchtbarkeit vom Baum des Lebens. Die Ähnlichkeit dieser Geschichte zur Bibelgeschichte ist offensichtlich.

Den Apfel gibt der Frau dort die Schlange und sagt: "Ihr werdet mitnichten des Todes sterben sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist." Damit hat sie die Wahrheit gesagt und ist vertrauenswürdig.

Bildquelle: Quino